Die Bornefeld - Link Orgel

Seit fast 60 Jahren erklingt die Orgel der Markus-Kirche in Gottesdienst und Konzert. Sie wurde 1962 eingeweiht und ist die größte „evangelische“ Orgel in Offenbach. Darüber hinaus ist sie eine Besonderheit in der gesamten EKHN. Denn die Orgel der Markus-Kirche wurde von der Firma Link (Giengen a.d.Brenz) gebaut, entworfen hat sie jedoch Prof. Helmut Bornefeld, einer der bedeutendsten Orgelsachverständigen des 20.Jahrhunderts. Unter seiner Leitung entstand, mit viel Liebe zum Detail, ein charaktervolles Instrument mit einer enorm großen Vielfalt an Klangfarben.
Die Markus-Orgel hat 38 Register (Pfeifenreihen gleicher Bauart; jedes Register hat seine eigene Klangfarbe), die man einzeln und in Kombinationen spielen kann. Ein Blick auf den Spieltisch erinnert ein bisschen an ein Klavier - nur dass es hier mehrere Tastenreihen sind. Bei der Markus-Orgel gibt es drei Manuale (die Tastenreihen für dieHände), sowie das Pedal, das mit den Füßen gespielt wird.
Als Organist musiziert man also stets mit Hand und Fuß gleichzeitig. Bei einem Blick auf die Vorderseite der Orgel sieht man insgesamt 112 Pfeifen. Eigentlich hat die Orgel aber viel mehr Pfeifen, man kann sie nur nicht sehen, weil sie im Inneren der Orgel stehen. Dort ist auch die aus vielen Einzelteilen zusammengesetzte Mechanik verborgen, mit deren Hilfe der Orgelspieler die Pfeifen zum Klingen bringt.
Die Markus-Orgel hat insgesamt etwa 3130 (!) Pfeifen, alle in Handarbeit hergestellt. Es gibt große und kleine, dicke und dünne Pfeifen aus Metall und aus Holz und keine gleicht der anderen. Die kleinste Pfeife ist 13 cm groß und erzeugt den höchsten Ton der Orgel;die für den tiefsten Basston gebaute Pfeife hat eine Höhe von 5,60 m und ist vom Kirchenschiff aus zu sehen.
Ein besonderes Kennzeichen der Markus-Orgel ist die sogenannte „Spanische Trompete“: Das sind die Pfeifen, welche horizontal in den Kirchenraum ragen (nicht vertikal wie alle anderen), und einen sehr prägnanten, kräftigen Klang haben.
Die Orgel ist das zentrale Musikinstrument der Christenheit. Seit Jahrhunderten erklingt sie zur Ehre und zum Lobe Gottes. Sie begleitet den Gesang der Gemeinde, mit Orgelmusik beginnt und schließt der
Gottesdienst. Neben ihrer liturgischen Aufgabe dient sie auch als Konzertinstrument, entweder alleine oder zusammen mit Sängern und Instrumenten. Orgeln sind mit Abstand die größten Instrumente, die von einem einzelnen Musiker gespielt werden können. Kein anderes akustisches Instrument kann tiefere oder höhere Töne erzeugen, ist Einzelstimme und Orchester in einem. Kein Wunder also, dass die Orgel gerne als Königin der Instrumente bezeichnet wird. Vielleicht aber auch deshalb, weil ihr ungewöhnlicher Klang nicht fassbare Dimensionen des Unendlichen hörbar macht.

Disposition der Bornefeld-Link-Orgel

Ausgangspunkt des bornfeldschen Konzepts ist das in der Barockzeit gültige Prinzip der „Werkorgel“, also aufeinander bezogene Teilwerke (wie Hauptwerk, Brustwerk) die akustisch (Register) und optisch (Standort) definiert sind. Neu ist im Vergleich zum barocken Vorbild, dass das Klangspektrum der Register unter verstärkter Hervorhebung entlegener Obertöne (None, Septime) erweitert wird.

Helmut Bornefeld sieht die Orgel als Gesamtkunstwerk: Disposition, Mensuration, Intonation und Erscheinungsbild des Gehäuses stehen miteinander und zum Aufstellungsort in Beziehung. Er verknüpft in seinen Orgelkonstruktionen barocke Prinzipien (mechanische Spieltraktur, Schleifladen, Werkprinzip usw.) mit eigenständigen, neuartigen Klangvorstellungen.

Die Prospektform ergibt sich aus den baulichen Tatsachen: Die großen Pedalpfeifen stehen wegen der Deckenform vorne, ebenso die Prospektpfeifen des Hauptwerks. Damit der Pedalturm nicht zu breit gerät, wurde das „Kleinpedal“ nach links verlegt.

Der Weg von der Tastatur zur Pfeife wird über eine mechanische Spieltraktur zurückgelegt, was ein differenziert-artikuliertes Spiel ermöglicht. Die Luftzufuhr der Register wird über Schleifladen gesteuert. Die Registertraktur – der Weg vom Registerschalter zur Schleife – und die Manual- bzw. Pedalkoppeln sind elektrisch.

Bornefeld-Orgeln und damit auch die Markus-Orgel sind klangintensive Instrumente. Sie zeichnen sich durch vielseitigen Gebrauch der Stimmen in Solo- wie Ensemblefunktion sowie hohe Verschmelzungsfähigkeit für aparte Obertonmischungen aus. Man kann ungewöhnliche und äußert reizvolle Klangfarben entdecken (besonders bei den Solostimmen) und so manches Orgelstück in neuem Klanggewand erleben.

Die einzelnen Stimmen der Register haben eine Mehrfachfunktion, so dass auf jedem Teilwerk universell verwendbare Plenum-, Cantus-firmus (c.f.)- sowie begleitfähige Register vorhanden sind. Gemischte Stimmen mit entlegenen Teiltönen (z.B. Hörnlein) sind bewusst stark färbende Klang-Elemente, vor allem für den solistischen Bereich. Der Umfang der Manuale bis c‘‘‘‘ macht die Grundregister und Obertöne weithin auch eine Oktave höher spielbar. Dadurch ergeben sich äußert vielfältige Einsatzmöglichkeiten der Register, sowohl im Solo- als auch im Begleitstimmenbereich.

Das Pedal wird aus seiner fast singulären Bassorientierung entlassen, so ergeben sich zahlreiche Farbmöglichkeiten. Beispiel: Die Pedal-Mixtur wird aufgeteilt im Basszink, Choralbass und Glöckleinton. Dadurch sind alle Plenumsvarianten in Bezug auf den jeweiligen Manualklang denkbar; Choralbass und Glöckleinton sind aber auch als c.f.-Register einsetzbar.

Im Bereich der Manuale werden die Unterschiede geradzahliger Fußtonlage verstärkt (ist z.B. der 4‘-Prinzipal eng und kraftvoll, dann wird der 2’eher weit-italienisch). Das Hauptwerk ist mitbeteiligt an allen Solo- und Trioaufgaben, bei der Markus-Orgel vor allem durch die Register Quinte, Nonenkonrnett, Larigot; so entstehen z.B. zusammen mit der Quintade 16‘ pittoreske Klangfarben.

Register der Bornefeld-Link-Orgel

Rückpositiv (I)

Hauptwerk (II)

(Schwellwerk)

Brustwerk (III)Pedalwerk

Rohrpommer 8'

Kopftrompete 8'

Prinzipal 4'

Flötgedackt 4'

Rohrnasat 22/3'

Italienisch Prinzipal 2'

Terznone II 13/5' + 8/9'

Blockflöte 1'

Scharf V 1'

Tremulant

C - Pleno RPos

D - Kornett RP

Quintade 16'

Prinzipal 8'

Gemshorn 8'

Trompete 8' (Spanische Trompete)

Oktave 4'

Spillpfeife 4'

Quinte 22/3'

Nonenkornett III 22/3'

Hohlflöte 2'

Larigot II 11/3' + 1'

Mixtur IV-VI 11/3'

Tremulant

E - Vorplenio HW

F - Pleno HW

G - Gesamtpleno 16'

H - Zungenpleno 16'

I - Tutti

Sordun 16'

Gedackt 8'

Rohrflöte 4'

Schalmei 4'

Prinzipal 2'

Sifflöte 11/3

Hörnlein II 11/7' + 16/19'

Terzzimbel III 1/3'

Tremulant

K - Pleno BW

L - Einzelregister
aus Gruppenzügen

Großpedal

Prinzipal 16'

Untersatz 16'

Posaune 16'

Holzprinzipal 8'

Baßzink IV 51/3'

 

Kleinpedal

Gedackt 8'

Rohrpfeife 4'

Choralbaß III 4' + 2' + 11/3'

Clairon 4'

Glöckleinton II 2 '+ 1'

Tremulant Kleinpedal

A - Vorpleno P 16'

B - Pleno P 16'

Geschichte

Markus-Gemeinde

Kirchenmusiker

Jens Wolter ist seit dem 01. März 2010 Organist in der Markus-Gemeinde sowie Kirchenmusiker im Evangelischen Dekanat Frankfurt und Offenbach.

Hörbeispiel

Den Eingangschoral zur "Atempause" - Andacht mittwochs 18 Uhr - können Sie sich hier anhören.